„Frankfurter kleiden Kult-Puppen ein“

Mai 18, 2019 2 Minuten Lesezeit

Beine bis zum Hals, Wespentaille plus ordentlich Körbchengröße – Barbie, die Lieblingspuppe aller Mädchen, hat Traummaße. Denkt frau und schielt neidisch auf den perfekten Plastikkörper.
Muss sie aber gar nicht. Weil: Bei Barbie stimmt keine einzige Proportion. Vorne nicht. Und hinten auch nicht. Die Hüfte zu schmal, die Schultern zu breit, die Beine zu lang. Sagt Leonid Sladkevich. Und der muss es wissen. Ist seit einigen Wochen Barbie-Fachmann. Er und sein Partner Matthias Gruner haben wochenlang fürs Plastikpüppchen entworfen und geschneidert. Röckchen, mit Reißverschlüssen verziert, Jäckchen mit Pelzbesatz, perlenverzierte Neckholder-Kleidchen. Alles in Schwarz, Silber, Pink. Alles in Größe Super-XXXS. Alles fürs Schmucklabel von Thomas Sabo (der Mann, der mit seinen Bettelarmbändern gerade ganz dick im Geschäft ist).
„Leonid Matthias for Thomas Sabo“ heißt die Barbie-Kollektion des Frankfurter Design-Duos . Knapp 50 Plastik-Blondinen haben die zwei eingekleidet. Weil die Puppe diese Jahr 50 Jahre alt geworden ist, und Thomas Sabo sie mit seinen „Charms“ (so heißen die kleinen Armband-Anhänger) auf den Laufsteg schickt. Nicht in echt. Aber in seinen Schaufenstern. Zurzeit zu sehen im „Charm Club“ in der Fressgass“ oder im Münchner Modehaus Ludwig Beck.
Für die Catwalk-Collektion haben Leonid und Matthias wochenlang an der Nähmaschine gesessen: „Barbie ist so winzig. Man muss haargenau arbeiten. Bei 30 Millimeter Kragenweite ist ein Millimeter mehr schon viel zu viel.“ Die Finger haben sie sich wund genäht, gepfriemelt, gefädelt, gebügelt. Nicht auf dem Bügelbrett. Auf dem Griff eines Einweg-Rasierers. „Die totale fuzelarbeit“, sagt Leonid. Überhaupt ist die Plastik-Blondine keine einfache Kundin: „Ein Rock, der bei einer Frau fällt, steht bei einer Barbie ab. Wasserfallkragen sind schwierig. Weil die Proportionen einfach nicht stimmen.“
Also, liebe Leserinnen. Nicht traurig sein oder sich an Weihnachten die Plätzchen verkneifen, weil die Beine nicht bis zum Hals reichen oder die Taille kein Wespenmaß hat. Echte Frauen sind viel leichter einzukleiden. Und können die Barbie-Kollektion auch tragen: Auf Wunsch schneidern Leonid und Matthias Kleider, Röcke und Jacken auch in Großformat. von Anja Prechel

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